Berlin. Seit Mitte Januar ankert der russische Tanker „Eventin“ manövrierunfähig vor der Insel Rügen. Nun ist er in deutschem Besitz.

Die Bundesregierung geht gegen die sogenannte geheime Schattenflotte vor, mit der Russland Sanktionen umgeht und weltweit Öl verkauft. Wie der berichtet, hat der Zoll vergangene Woche den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker „Eventin“ beschlagnahmt, der seit Mitte Januar vor der Küste Rügens ankert. Sowohl der altersschwache Tanker, als auch die 100.000 Tonnen Rohöl im Wert von gut 40 Millionen Euro sind durch einen Einziehungsbescheid der Generalzolldirektion nun in deutsches Eigentum übergegangen.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die „Eventin“ war im russischen Hafen Ust-Luga mit dem Ziel Ägypten gestartet. Seit Mitte Januar trieb sie manövrierunfähig vor der Küste Rügens. Sie wurde wegen der Gefahr des Ölaustritts nach Sassnitz geschleppt und dort von Küstenwache und Bundespolizei überwacht. Inzwischen wurde das Schiff umgeflaggt und offiziell von der EU als Teil der russischen Schattenflotte gelistet.

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Nun wird geplant, wie das Rohöl aus der „Eventin“ sicher abgepumpt werden kann und wie dann mit dem Schiff verfahren wird. Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung will den Tanker wegen möglicher negativer Auswirkungen für Umwelt und Tourismus gerne loswerden. Das für den Zoll zuständige Bundesfinanzministerium wollte sich zum weiteren Vorgehen nicht äußern. Die Beschlagnahmung der „Eventin“ wird jedoch als Signal an Russland gewertet, dass Deutschland den illegalen Transport von russischem Öl durch die Ostsee nicht duldet.

Russland nutzt geheime Schattenflotte hunderter Schiffe, um trotz der aufgrund des Krieges gegen die Ukraine verhängten Sanktionen weiterhin Öl an befreundete Staaten verkaufen zu können. Die Schiffe sind dabei häufig sehr veraltet und fahren auch mit ausgeschaltetem Transponder, was ein erhebliches Sicherheits- und Umweltrisiko darstellt.

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