Ankara. Erdogan ist ein Freund von Putin, Patron der Hamas, fanatischer Feind Israels und ein Machthaber, der politische Gegner einsperren lässt.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan regiert sein Land mit einer Machtfülle, wie sie kein anderer westlicher Staatschef besitzt. Aber die schwere Niederlage seiner Regierungspartei bei den Kommunalwahlen vor einem Jahr zeigte: Immer mehr Menschen wenden sich von ihm ab. Vor allem junge Wähler in den Großstädten laufen Erdogan davon. Sie sehen durch die Islamisierung von Staat und Gesellschaft ihren westlichen Lebensstil in Gefahr.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Deshalb versucht Erdogan jetzt, die Weichen für die nächste Präsidentenwahl zu stellen. Mit der Festnahme des Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem Imamoglu lässt Erdogan seinen gefährlichsten Konkurrenten wegsperren. Während der türkische Staatschef im eigenen Land den Druck auf seine Gegner erhöht, tritt er international umso selbstbewusster auf. Er sieht sich als Gewinner der geopolitischen Umwälzungen nach der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus.
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Die Demokratische Glaubwürdigkeit der EU steht auf dem Spiel
Ohne sein Land könne es keine europäische Sicherheitsarchitektur geben, doziert Erdogan. Nur die Türkei könne „Europa aus seiner ausweglosen Lage retten“. Deshalb sei der EU-Beitritt nun dringlicher denn je. Auch in Brüssel gibt es angesichts der Zweifel an der Bündnistreue der USA Überlegungen, die Türkei stärker in die europäischen Sicherheitsstrukturen einzubinden. Militärisch mag das Sinn ergeben. Aber vor einer Aufnahme des Landes in die EU kann man gar nicht eindringlich genug warnen.

Bester Freund des Kremlchefs Putin, Patron der Terrororganisation Hamas, ein fanatischer Feind Israels und ein Machthaber, der politische Gegner einsperren lässt – man mag sich gar nicht ausmalen, was es für die Außen-, die Sicherheitspolitik und die demokratische Glaubwürdigkeit der EU bedeuten würde, wenn Erdogan in Brüssel mit am Tisch sitzt. Mit Viktor Orban hat es die EU schon schwer genug. Sie braucht keinen weiteren Autokraten.