Berlin. Die Außenministerin soll einen UN-Spitzenjob bekommen – und schon geht es wieder nur um ihre Familie. Unsere Autorin hat die Nase voll.

Das war wohl der sprichwörtliche Tropfen, der bei Christoph Heusgen das Fass zum Überlaufen brachte: Die Nachricht, die scheidende Außenministerin Annalena Baerbock solle Präsidentin der Uno-Generalversammlung werden, verursachte jedenfalls beim früheren Chef der Münchner Sicherheitskonferenz einen krassen Wutanfall in aller Öffentlichkeit: „Eine Unverschämtheit“ sei die Nominierung, wetterte er in einem Interview und setzte hinterher: Die Ministerin sei schließlich ein „Auslaufmodell“.

Was für eine Diffamierung, was für eine Respektlosigkeit ausgerechnet von einem Top-Diplomaten wie Heusgen. Schließlich hat Baerbock in den vergangenen drei Jahren wohl einen der schwierigsten Jobs innerhalb der Regierung übernommen. Das Auswärtige Amt zu führen, während ein Krieg in Europa tobt und die Welt aus den Fugen der Nachkriegsordnung gerät – vor dieser Herausforderung hat schließlich keiner ihrer Vorgänger gestanden.

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Baerbock: So schlagen ihr Beschimpfungen, Lügen und offener Hass entgegen

Natürlich wird sie sich jetzt zum Ende ihrer Amtszeit einer Bilanz stellen müssen. Was hat sie erreicht, was nicht? Wo war sie zu forsch, etwa mit ihrer feministischen Außenpolitik, wo ließ sie ausgerechnet ihren Feminismus vermissen, etwa im Umgang mit dem Iran?

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Doch eine derartig fachliche Auseinandersetzung mit der Außenministerin hat es in der Öffentlichkeit kaum gegeben. Stattdessen Beschimpfungen, Unterstellungen, Lügen, offener Hass. In den sozialen Medien wurde sie Opfer sexualisierter Hetze, ihr wurden, auch von einer Illustrierten Affären unterstellt. Und hartnäckig hält sich die Fake-Nachricht, sie habe ihren Uni-Abschluss gefälscht. Dass sie Mutter zweier recht junger Kinder ist, reichte ihren Kritikern, um sie als kaltherzige, selbstsüchtige Person darzustellen, die ihre Familie im Stich lässt. Offenbar lebt in Teilen dieser Gesellschaft immer noch die „Rabenmutter“ als Feindbild.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Und auch jetzt wieder: Kaum ist die Nominierung raus, diskutiert die Öffentlichkeit, als würde sie sich bestens mit den privaten Verhältnissen der Familie auskennen. Dahinter steckt obendrein ein tiefes Misstrauen gegenüber Vätern und ihren Fähigkeiten, Kinder gesund groß werden zu lassen. Bleiben wir mal bei den Fakten: Einer 44-jährige Frau wird nach einer beeindruckenden politischen Karriere ein diplomatischer Spitzenjob angeboten. So weit, so normal.