Washington. Schon beim Auftakt möglicher Verhandlungen hat Putin dem „Friedensapostel“ aus Amerika die Flügel gestutzt. Für Kiew sieht es düster aus.

Gut, dass sie darüber gesprochen haben? Nach dem Zwei-Stunden-Telefon-Marathon, den Donald Trump und Wladimir Putin am 11. Jahrestag der russischen Annexion der Krim absolviert haben, sind mehr Fragen offen über die Zukunft der Ukraine als vorher. 

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Der Spin, den beide Seiten dem Power-Talk geben, vernebelt die Wahrheit. Wie nah oder fern ein Waffenstillstand mit Aussicht auf Friedensschluss im seit über drei Jahren wütenden Krieg liegt, weiß heute niemand. Der Hauptbetroffene, die Ukraine, wurde bei der Unterredung schlicht übergangen.

Dass Büchsenspanner in Moskau und Washington früh erklärten, das Spitzengespräch sei „gut gelaufen“, darf aus der Perspektive Kiews und der Europäischen Union als Alarmsignal gewertet werden. 

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Sterben der Zivilbevölkerung wird weitergehen – Putin macht nur kleines Zugeständnis

Putin hat mit dem vorläufigen Verzicht auf die Bombardierung ukrainischer Energie-Infrastruktur inklusive maritimer Feuerpause im Schwarzen Meer ein vergiftetes Mini-Zugeständnis gemacht. Das Sterben der Zivilbevölkerung im Donbass und andernorts darf weitergehen. Wie menschenverachtend.

Dirk Hautkapp
Dirk Hautkapp ist US-Korrespondent der FUNKE Zentralredaktion. © ZR | bm

Putin hat dem Friedens-„Apostel“ aus Washington damit schon am Anfang die Flügel gestutzt. Im Umkehrschluss verlangt der Russe einen sehr hohen Preis, der Amerika von Europa, wo gerade das nächste Hilfspaket für Wolodymyr Selenskyj geschnürt wird, abkoppeln und die Ukraine schon bald „nackt“ dastehen lassen würde: den Stopp jeglicher US-Militär- und Geheimdiensthilfe. Trump sitzt damit in der Falle. 

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Putin will seinen Bewunderer aus Amerika dazu bringen, einen Deal zu akzeptieren, der am Ende für die Ukraine und Europa inakzeptabel sein wird. Er will das Nachbarland weiter unterjochen, wenn nicht heute, dann morgen.