Berlin. Israel eskaliert den Krieg erneut. Netanjahu behauptet, es brauche mehr Druck auf die Hamas. Doch es geht ihm um sein eigenes Überleben.
Dass Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen in der Nacht zu Dienstag wieder aufgenommen hat, ist ein weiteres Armutszeugnis für die Politik Benjamin Netanjahus. Seine Regierung stellt die Eskalation als nötigen Schritt dar, um den Druck auf die Hamas zu erhöhen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am 1. März ist die erste Phase des Waffenstillstands-Abkommens ausgelaufen. Auf eine Verlängerung haben sich beide Parteien bisher nicht einigen können. Israel hat sich immer wieder vorbehalten, die Angriffe wieder aufzunehmen, um die verbliebenen 59 Geiseln (tote wie lebendige) aus dem Gazastreifen freizubekommen. Zur Wahrheit gehört dabei auch: Es war die israelische Armee, die sich nicht, wie es die Vereinbarung vorsah, vollständig aus dem Gazastreifen zurückgezogen hatte. Dass die Hamas sich daraufhin weigern würde, die Freilassung der Geiseln fortzusetzen, muss Netanjahu eingepreist haben.
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Israel: Netanjahu fürchtet wichtige Abstimmung
Offenbar hat er sich endgültig davon verabschiedet, Phase zwei des Abkommens zu verhandeln. Das bringt mehrere Aspekte mit sich. Zum einen stimmt nicht, was Netanjahu und seine Kabinettsmitglieder behaupten: Die noch lebenden Geiseln kommen der Freiheit durch neue israelische Angriffe nicht näher. Das Ziel, die Hamas zu vernichten (sofern das überhaupt möglich ist), würde Luft- und Bodenangriffe erfordern. Die Geiseln könnten dabei getötet werden.

Zum anderen erkennen viele Israelis, worum es Netanjahu geht: Am 31. März steht eine wichtige Abstimmung über den israelischen Haushalt an. Dafür braucht er die Unterstützung der rechtsextremen Fraktion von Itamar Ben-Gvir. Die Hardliner wiederum pochen auf die Fortsetzung des Krieges gegen die Hamas. Scheitert die Abstimmung, müsste es binnen 100 Tagen zu Neuwahlen kommen – diese könnten für den unbeliebten Premierminister schlecht ausgehen.