Berlin. Im Kulturhaus Karlshorst sollte ein Film eines NS-Regisseurs gezeigt werden. Der Bezirk sagte den Film ab – obwohl er unverfänglich ist.

Das Bezirksamt Lichtenberg hat eine Filmvorführung im Kulturhaus Karlshorst abgesagt, bei der ein Film des Regisseurs Hans Steinhoff gezeigt werden sollte. Steinhoff wurde vor allem durch seine Propagandafilme aus der Zeit des Nationalsozialismus bekannt. Nach entsprechenden Hinweisen habe sich das Bezirksamt „nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, den Film nicht zu zeigen“, teilte die Pressestelle des Bezirks auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit.

Eigentlich sollte am 20. März der Film „Robert Koch, Bekämpfer des Todes“ gezeigt werden. Dabei handelt es sich um eine Filmbiografie über den deutschen Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch aus dem Jahr 1939. Im Gegensatz zu anderen Filmen Steinhoffs steht dieser Film nicht auf der Liste der „Vorbehaltsfilme“. Das bedeutet, dass er eigentlich ohne weitere Vorgaben gezeigt werden darf. Vorbehaltsfilme sind Propagandafilme der Nazis, die nur unter Vorbehalt, also unter bestimmten Bedingungen, gezeigt werden dürfen. Einer der bekanntesten Vorbehaltsfilme Steinhoffs ist der Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ von 1933.

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Obwohl der Film „Robert Koch, Bekämpfer des Todes“ nicht in diese Kategorie fällt und obwohl eine „Einführung einer Filmwissenschaftlerin“ geplant gewesen sei, entschied sich das Bezirksamt nun für die Absage der Vorführung. Zur Begründung hieß es, dass in der Ankündigung „aufgrund des begrenzten Platzes der sehr wichtige Hinweis auf die Brisanz um den Regisseur nicht enthalten“ gewesen sei. „Diese Nachlässigkeit bedauern wir.“ Der Anspruch des Bezirksamtes sei es, „historisch sensibel zu agieren und kritische Themen entsprechend einzuordnen, um jegliche Missdeutungen zu vermeiden.“

Murnau-Stiftung verwaltet NS-Vorbehaltsfilme

Zuständig für die Verwaltung und Vorführung der sogenannten Vorbehaltsfilme ist die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Auch für andere Filme aus der NS-Zeit, wie „Robert Koch, Bekämpfer des Todes“, hat die Stiftung die Vorführrechte. Auf Anfrage der Morgenpost erklärte die Vorsitzeden, Christiane von Wahlert: „Grundsätzlich begrüßen wir die Vorführung dieser Filme, weil man davon viel lernen kann. Beispielsweise, wie Propaganda funktioniert.“ Außerdem erfahre man viel über den damaligen „Zeitgeist“. „Wichtig ist eben nur, dass es eine Einführung und Diskussionsmöglichkeit zu dem Film gibt.“

Aktuell stehen noch 44 Filme auf der Liste der Vorbehaltsfilme. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Alliierten unter Führung der USA ursprünglich um die 600 NS-Propagandafilme auf die Verbotsliste gesetzt. Über die Jahre wurde diese Liste immer kürzer. Einige Filme wurden außerdem durch entsprechende Schnitte „entnazifiziert“.

Robert Koch: Nobelpreis und Todestag im Fokus

Anlass für die Vorführung im Kulturhaus Karlshorst ist der 115. Todestag von Robert Koch und der 120. Jahrestag seiner Auszeichnung mit dem Nobelpreis. 1905 hatte er diesen für die Entdeckung der Tuberkulose-Erreger verliehen bekommen. Das Bezirksamt kündigte an, einen Alternativfilm präsentieren zu wollen.

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Auf der Webseite des Kulturhauses wird für den 20. März bereits der biografische DDR-Fernsehfilm „Krisis“ von Joachim Kunert angekündigt. „Die Produktion zeigt den Lebensabschnitt Kochs, in dem er bereits als Wissenschaftler von Weltrang durch die Entdeckung des Krankheitserregers der Tuberkulose gilt und nach einem Gegenmittel der stark verbreiteten und todbringenden Krankheit forscht“, heißt es in dem Ankündigungstext.

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